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Ein Wort beim Aldi

Wir haben, glaube ich, einen Aldi im Dorf. Ich wüsste sogar, wo er wäre.

„Schatz, bringst du mir ein Garten-Dings vom Aldi mit? Die sind heute im Angebot“, sagt meine Liebste und wedelt mit einer Seite des Altpapiers. Aus ihrer Sicht mit der aktuellen Aldi-Werbung.

Na gut, fahre ich halt zum Aldi. Gehe hinein, finde das angepriesene Garten-Zeugs, lade es in den Einkaufswagen und schaue, was hier sonst noch so herumliegt. Ein paar Dinge lege ich zusätzlich in den Wagen.
Hinter der Kasse ist ein schräger Winkel, in den das vordere Ende des Einkaufswagens hineinpasst. Das Umladen von den abkassierten Waren in den Wagen macht das wesentlich bequemer. Während ich aus dem Geldbeutel einen Geldschein zücke, legt sogar der Kassierer zwei meiner Artikel in den Wagen – dieser steht halt günstig. In anderen Märkten passiert so etwas nicht, sie haben ein Abtransportband und der Kunde mehr Zeit zum Umladen seiner Waren.

Ich erhalte Wechselgeld und Kassenbon, werfe den Kassenbon in den Wagen, gebe die Kassenzone frei und verstaue mein Wechselgeld im Geldbeutel. Mit dem Einkaufswagen fahre ich neben mein Auto und öffne den Kofferraum.

Da fegt ein Windstoß über den Parkplatz, wird von meinem Auto aufgehalten und treibt nach oben, dabei zieht er durch den Metallgitterboden und reißt er den Kassenzettel mit sich. Mit unbeherztem Zugreifen fasse ich ihn nicht, also lasse ich ihn fliegen. Räume die Einkäufe ins Auto. Gehe auf die andere Seite, nach meinem Kassenzettel suchen. Da vorne liegt er.

Eine Frau hat ihr Auto noch weiter geparkt und kommt mir entgegen. Ich nehme sie kaum wahr. Bücke mich nach dem Kassenzettel und klaube ihn auf. „Das war ich nicht!“ verteidigt sich die Frau unnötigerweise.
„Das war ich.“ sage ich ihr. Ich hätte sie böse angeschaut, verkündet die Frau. Sie ist älter als ich und humpelt leicht. In ihrem Gesicht sind mehr Geschichten zu lesen als ich jemals schreiben könnte.

Ich bestätige ihr: „Das ist mein Zettel, der ist mir einfach weggeflogen. Ich habe nur geschaut, wer mir so fröhlich entgegenkommt.“

Dank Michael und Sina und ihrem „AdjeKTIVEm SprachEbuch“ baue ich wohlklingende Adjektive in meine Alltagssprache ein, manchmal auf Teufel komm raus.

Die Dame lacht laut. „Hah! Fröhlich. Zum Aldi!“

Auf ihrem weiteren Weg zum Eingang humpelt sie etwas weniger.

Ein Wort.