Hotel mit drei kleinen Sternen

Wieder einmal unterwegs, Messezeit, ich finde ein Drei-Sterne-Hotel etwas außerhalb, das noch im Budget liegt. Bei diesen Dreisternehotels gibt es gewisse Standards wie einen Haartrockner im Badezimmer und eine Schuhputzmaschine in einem der Flure oder im Treppenhaus. Eine Art Rührei zum Frühstück gehört wohl auch dazu, doch das wartet oft schon seit Stunden in der Warmhalteschale – es gibt halt kleine und große Sterne.

Im Badezimmer gibt es am Waschbecken meistens wandbefestigte Flüssigseife zum drücken, seltener einzelnverpackte Festseife chemischen Ursprungs. In der Dusche wartet ein Drückspender mit Shampoo neben dem Einhandwählhebel. So der Standard, mit vielen Überraschungen.

In diesem Hotel steht auf dem Waschbecken eine Flasche Flüssigseife mit einem Spender zum oben draufdrücken. Eine weiße Seifenflüssigkeit, die nach dem frischen Fruchtfleisch von Kokosnüssen riecht und ein Kunstwerk einsparungsgedrückter Chemiker sein muss.
Die Dusche empfängt mich mit einem leeren Wandkörbchen. Kein Shampoo.

Meinen Kulturbeutel hatte ich frisch aufgeräumt, zwei angebrochene Fläschlein Haarwaschmittel aus edleren Hotels wegen Nichtbenutzung entfernt.

Na gut, dann nehme ich halt die Seife vom Waschbecken. Ein bisschen Fett bekommt sie bestimmt aus den Haaren weg, und morgen habe ich zuhause wieder etwas richtiges.

Tja. Seit Stunden verfolgt mich ein Südseeduft. Cocos Revenge of the Caribbean. Für die nächste Reise packe ich wieder ein Notfallshampoo ein.

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